Was die merkantile Wertminderung ist
Ein Fahrzeug mit repariertem Unfallschaden lässt sich schlechter verkaufen als ein unfallfreies. Käufer rechnen mit verdeckten Folgen und zahlen weniger, selbst wenn die Werkstatt sauber gearbeitet hat. Diesen Unterschied nennt man merkantile Wertminderung. Sie wird zusätzlich zu den Reparaturkosten ersetzt und ist beim unverschuldeten Unfall Teil des Schadenersatzes.
Davon zu unterscheiden ist die technische Wertminderung. Sie fällt an, wenn nach der Reparatur ein technischer Nachteil bleibt, etwa weil ein Bauteil nur instand gesetzt und nicht ersetzt werden konnte. In den meisten Fällen geht es nach einem Unfall jedoch um den merkantilen Minderwert.
Wie der Rechner den Richtwert ermittelt
Der Rechner folgt der Methode von Ruhkopf und Sahm. Fahrzeugwert und Reparaturkosten werden addiert und mit einem Faktor für das Fahrzeugalter sowie einem Faktor für die Laufleistung multipliziert. Das Ergebnis wird auf höchstens zehn Prozent des Fahrzeugwerts begrenzt und auf 50 Euro gerundet. Zusätzlich sehen Sie eine Spanne von plus/minus 25 Prozent, weil die gängigen Methoden unterschiedlich weit auseinanderliegen.
Neben Ruhkopf und Sahm sind weitere Verfahren verbreitet, etwa die Methoden nach BVSK, Halbgewachs oder das Marktrelevanz- und Faktorenmodell. Sie gewichten Schadenumfang, Fahrzeugart und Marktlage anders und kommen deshalb zu abweichenden Beträgen. Welches Verfahren im Einzelfall passt, entscheidet der Sachverständige nach Besichtigung des Fahrzeugs.
Wann in der Regel keine Wertminderung anfällt
Als grobe Grenzen gelten ein Fahrzeugalter über fünf Jahre, eine Laufleistung über 150.000 Kilometer und Reparaturkosten unter zehn Prozent des Fahrzeugwerts. Auch reine Lackkratzer oder ausgebeulte Dellen ohne Austausch tragender Teile führen meist zu keinem Minderwert. Diese Grenzen sind allerdings keine festen Regeln: Bei gepflegten Fahrzeugen, seltenen Modellen oder Oldtimern wird ein Minderwert auch bei höherem Alter anerkannt, während er bei erheblichen Vorschäden entfallen kann.
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